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27. August 2010, Chesa Surovas in Pontresina um 3:00 Uhr morgens. Der Piz Roseg steht auf dem Programm. Ausgerüstet mit MTB und schweren Rucksäcken machen sich die „Alpinisten“ startklar.

Ratti und Ich haben ein paar Wechselkleider, Steigeisen und Klettergstältli im Rucksack. Das Allernötigste halt, denn eine Besteigung im alpinen Stil bedeutet ja schliesslich ohne Zwischenbiwack irgendwo am Berg. Das Gewicht reduzierten wir für unsere Besteigung aber auch auf das Mindeste, weil wir möglichst vor dem Mittag wieder zurück auf der Tschiervahütte sein wollen. Ein starkes Gewitter ist nämlich auf den frühen Nachmittag angesagt.

Da wir wegen der Dunkelheit nicht noch früher aufbrechen wollen heisst das von Beginn weg eine ziemlich zügige Gangart anzuschlagen. Wir müssen aber auch noch ein Seil, verschiedenes Klettermaterial wie Karabiner und Eisschrauben mitnehmen und es ist für uns schnell klar, wer dieses sprichwörtlich schwere Los ziehen wird. Nicht umsonst nehmen wir schliesslich einen Spitzenlangläufer mit. Die 13 Kg Rückenlast sollte für einen Ausdauerathleten dieses Formats ja einen Klacks bedeuten!

So einen Klacks scheint es aber doch nicht zu sein und nach 1.5 Std täuscht Curdin einen Linsenverlust vor. Der ganze Tross muss vor der Tschiervahütte warten, bis der Crack den Schaden behoben hat. Da es noch immer dunkel wie in einer Kuh ist muss er sein neues Auge mit Hilfe seiner Stirnlampe montieren. Kein Wunder, dass diese Linse den Gipfel nie erreichen wird und wenig später in einer Gletscherspalte verschwindet!

Der Roseg-Gletscher hat es nämlich ziemlich in sich. Ratti und ich staunen nicht schlecht, wie stark er sich im Verlaufe des letzten Monats, als wir den Berg das erste Mal bestiegen haben, verändert hat. Überall gingen inzwischen Spalten auf und ein Serac reiht sich an den Anderen. Eine dieser unzähligen Gletscherbrücken wird nun Curdin zum Verhängnis. Oder man kann es auch so ausdrücken, dass ihm die baumelnden Beine wie gerufen kommen und er sich dadurch ein bisschen die Müdigkeit ausschütteln kann.

Nach der Kletterpartie am Eselsgrat hätte auch Ratti sich gerne eine Pause gegönnt. Aber nichts da, er muss die 45 minutige Hetzjagd bis auf den Schneegipfel mit offenen Schuhbändeln am linken Schuh absolvieren. Auf dem Gipfel angelangt sagt er dann, dass er nicht auch noch Luft für einen Stop-Ruf hatte.. Dass die Lungen von uns Vordermännern zu dieser Zeit auch gehörig brannten verschwiegen wir natürlich in unserem Sportlerstolz..

Was jetzt nach purem Stress tönt war in Tat und Wahrheit eine wunderschöne Hochtour mit viel Spass und guter Laune. Als auf dem Rückweg nach kurzem Halt auf der Tschiervahütte dann der Himmel ganze Wasserfälle weinte waren wir glücklich den Piz Roseg in nur 5 Stunden von Pontresina aus bestiegen zu haben und nicht früher im Fels oder auf dem Gletscher geduscht geworden zu sein.

Die ganze Tour haben wir auf einem Film festgehalten und einen Zusammenschnitt davon kann in Kürze hier angeschaut werden. [siehe hier]

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